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Venture Blog

Roland Manger ROLAND MANGER
Managing Partner
Munich
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Financial Times Deutschland
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Monday, July 14, 2008   Folgen Sie bitte der Umleitung
 

Der kürzeste Weg zum Ziel ist immer eine Gerade? In der Innovationsentwiclung stimmt das nicht. Die interessantesten Produkte entstehen häufig auf unerwartete Art und Weise. Das Earlybird-Portfolio bietet Beispiele dafür.

Menschen mögen es einfach, klar und geradlinig. Chaos und Zufall sind uns ein Graus. Und so stellen wir uns auch gern vor, dass die Entdeckung und Entwicklung von Innovationen genauso linear verläuft: Grundlagenforscher entdecken neue naturwissenschaftliche Prinzipien und Mechanismen. Entwickler nehmen den Ball auf, um damit ein noch ungelöstes Problem ihres Fachgebietes aufzuarbeiten. Schließlich kommt ein entsprechendes Produkt heraus.
Aber viele bedeutende Entdeckungen der Menschheit verliefen nicht nach Plan. Schließlich war Christoph Kolumbus kein Versager, weil er niemals Indien erreichte.

Gute Ideen kann man übertragen

Bei der Entstehung neuer Produkte ist das häufig nicht anders. Der Innovationsprozess ein verschlungener Pfad und oft sind es überraschende Wendungen, die zum größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzen führen. Im Portfolio von Earlybird finden sich gleich mehrere solcher Beispiele:
So wurde das inzwischen börsennotierte Schweizer Unternehmen Esmertec von vier Ingenieuren und Informatikern gegründet, die an effizienten und blitzschnell reagierenden Steuerungssystemen für Industrieroboter arbeiteten. Dafür mussten sie Software entwickeln, welche die komplexe Steuerungslogik in sehr wenige, sehr schnell ausführbare Befehle für Mikroprozessoren übersetzt.
Erst einige Zeit später zeigte sich, dass man die Verfahren und Konzepte der Gründer wunderbar auf die heute dominante Programmiersprache Java übertragen kann, wodurch Java-Programme auf fast allen Handys lauffähig werden. Heute ist der Esmertec-Ansatz de facto der Standard für Java-Handys - ein Markt mit mehr als 700 Millionen verkauften Geräten pro Jahr.

Alte Technologien in Frage stellen

Bei unserem Unternehmen Zonare haben sich die Gründer das Querdenken von Anfang an zum Programm gemacht. Sie hatten kaum Erfahrung mit medizinischen Ultraschallgeräten, aber umso mehr in der Entwicklung von Telekommunikationselektronik und Computer-Komponenten. Ihre Zielsetzung: Wie würde ich ein Ultraschall-Gerät heute entwickeln, falls ich nicht wüsste das es schon seit 40 Jahren welche gibt?
Das Ergebnis war ein Gerät, das nicht wie üblich, ausschließlich aus Spezialteilen entwickelt wurde, sondern aus Elektronik-.Standardkomponenten - mit doppelter Leistung und halb so hohen Kosten wie gängige Geräten.
Auch Werner Mohl ist in gewissem Sinne ein Querkopf. Der Wiener Herzchrirug ist Gründer von Miracor, eines unserer jüngsten Unternehmen. Üblicherweise treiben medizinische Koryphäen im eigenen Fachgebiet Erkenntnisse und Methodenentwicklung voran, die natürlich Patienten nutzen aber eben auch der eigenen Zunft.
Mohl hat es gewagt, Erkenntnisse, die er im Rahmen seiner langjährigen Operationspraxis gewonnen hat, auf Therapien außerhalb des Bereiches der Herzchirurgie zu übertragen. Mit seinen Erkenntnissen kann nun ein medizinisches Gerät gebaut werden, welches es erlaubt, viele Herzinfarkt-Patienten minimal-invasiv - also ohne Herzoperation am offenen Brustkorb - zu behandeln. Ist er erfolgreich, so wird es weniger Herzoperationen geben. Stattdessen werden die Kardiologen und natürlich auch die Patienten davon profitieren.
Es lohnt sich also für Gründer und für Finanziers, immer wieder systematisch darüber nachzudenken, ob man aus der gerade gepflegten Gedankenwelt ausbrechen kann und welchen Nutzen dieses bietet.

   

 
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