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Dr. Hendrik Brandis, geschäftsführender
Gesellschafter und Mitgründer der Earlybird
Venture Capital GmbH (Hamburg/
München) ist neuer Vorsitzender der
Venture Plattform der European Private
Equity & Venture Capital Association
(EVCA). Er folgt damit auf Patrick Sheehan,
Partner des Environmental Tech -
nologies Fund (ETF) in London. Erst
letzten November hatte die EVCA als
Gesamtverband im Zuge ihrer Neustrukturierung
allen Arbeitsplattformen – neben
Venture Capital auch Mid Market,
Large Buyout und Limited Partners – größeres
Gewicht verliehen. So können
nun auch die Mitglieder der Venture
Plattform stärker über die Zielsetzungen
und Ressourcen des Bereiches mitbestimmen
VC Magazin: Die EVCA hat sich
im November eine neue Struktur
gegeben. In welcher Form können
die Mitglieder der Venture
Plattform nun Einfluss nehmen?
Brandis: Ein wesentlicher Einflussfaktor
ist sicherlich die
neue Budgethoheit. Allein dadurch,
dass wir zukünftig
selbst entscheiden können, bei
wem und für was wir Geld ausgeben,
sind wir in einer besseren
Position als vorher. Die
neuen Abläufe – und der Prozess
der Entscheidungsfindung
– müssen von allen Beteiligten
aber erst noch eingeübt
werden.
VC Magazin: Das Fundraising
stellt derzeit eine der größten
Hürden dar. Wie wollen Sie die
Situation verbessern?
Brandis: Zunächst
einmal leiden wir
darunter, dass die
Datenbasis für die
Venture Capital-
Industrie unbefriedigend
ist. Die
Art und Weise,
wie diese Daten
gesammelt und
verwaltet werden,
führt zu falschen
Schlussfolgerungen
und stellt die Industrie in einem
unnötig schlechten Licht dar. Wegen
dieser Zahlen gelangen europäische
Venture-Fonds oft nicht in die Allokation
institutioneller Investoren. Zu -
dem haben wir mit den weltweiten
Workshops für Limited Partner in
der Vergangenheit gute Erfahrungen
gemacht und werden sie fortführen.
Außerdem arbeiten wir an einem
White Paper für die europäische
Kommission, wie die Rahmenbedingungen
für Venture Capital verbessert
werden können.
VC Magazin: Wie stellt sich die Situation
auf der Exit-Seite dar?
Brandis: Sie könnte besser sein. Um
daran etwas zu ändern, haben wir eine
Diskussionsrunde mit den führenden
europäischen Börsen initiiert.
Auf der Tagesordnung stehen z.B.
die Harmonisierung von Anforderungen
für ein effizientes Multi-Listing
an verschiedenen Handelsplätzen,
gemeinsame Indizes und eine verbesserte
Abdeckung von Small und
Micro Caps durch Analysten. Da -
neben wollen wir durch weitere Initiativen wie M&A-Connect die Portfolios
europäischer Venture Capital-Fonds
näher an potenzielle strategische
Investoren bringen.
VCMagazin: Wie sehen Sie die deutsch -
sprachige Venture Capital-Szene im
europäischen Vergleich positioniert?
Brandis: Wie in keinem anderen Land
ist der Markt in Deutschland aus der
Balance geraten. Das kann man wunderbar
quantifizieren, wenn man das
Bruttoinlandsprodukt der USA als
Ausgangspunkt nimmt und die Zahl
der Beteiligungsgesellschaften vergleicht.
In den Staaten gibt es über
800 Venture Capital-Fonds, von denen
rund 250 umgerechnet über 100 Mio.
EUR verwalten. Dementsprechend
müssten wir in Deutschland ca. 260
Fonds sehen, darunter 80 große. Tatsächlich
gibt es hierzulande nur 15
aktive Gesellschaften, und nur vier davon
verwalten mehr als 100 Mio. EUR.
Insgesamt liegt die hiesige Venture-
Industrie deutlich unter dem euro -
päischen Durchschnitt. Wir haben
hier einen riesigen Nachholbedarf!
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