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Friday
March 2, 2001
  More Investors on the Campus (Text in German)
 

Highflyer mit Börsenambitionen sind derzeit rar. Wollen die Wagnisfinanzierer nicht auf ihrem vielem Geld sitzen bleiben, müssen sie aktiv für Nachwuchs an Ideen und Köpfen sorgen. Wo? Christian G. Nagel, Partner der Venture Capital Gesellschaft Earlybird, nimmt die deutschen Hochschulen ins Visier.
Wirklich wachstumsstarke Gründungen sind in Deutschland noch immer rar. Während amerikanische Jungunternehmer vielfach die Vision vor Augen haben, das nächste Cisco oder Compaq zu gründen, geben sich ihre deutschen Kollegen bescheiden. Sie sind meist schon zufrieden, für sich selbst und bestenfalls einige Mitarbeiter eine Existenz aufzubauen.
Hoch gesteckte Ziele sind jedoch Voraussetzung für die überdurchschnittlichen Erfolgsaussichten, die Venture-Capital-Firmen von ihren Portfoliounternehmen erwarten.
Zurückzuführen sind die niedrigen Anspruchsniveaus unter anderen auf ein strukturelles Defizit: In den USA beispielsweise sind für viele Gründer die erfolgreichen und ehrgeizigen Vorbilder zum Greifen nahe, weil sie sich in denselben regionalen Clustern wie Silicon Valley oder der Boston Area befinden. In Deutschland reifen solche Strukturen gerade erst heran.
Nach dem Börsencrash stehen Venture-Capital-Firmen deshalb vor einer Herausforderung: Es gibt viel mehr Wagniskapital auf dem deutschen Markt, als wirklich Erfolg versprechende Businesspläne. Es fehlt an Ideen, die den heutigen, erheblich gestiegenen Ansprüchen der Investoren bei einem potenziellen Börsengang genügen. Der Wettbewerb der Investoren um die lukrativsten Start-ups wird sich deshalb verschärfen.
Für Venture-Capital-Firmen wird es vor diesem Hintergrund immer wichtiger das unternehmerische Potenzial der Universitäten systematisch zu erschließen.
Wie kann dies konkret geschehen? Wagnisfinanzierer sollten ihren Kontakt zu den Gründern bereits sehr früh aufbauen: Während Businessplanwettbewerbe vor Jahren noch wirklich vielversprechende Unternehmen, wie z.B. die Biotech-Firma Wilex, hervorgebracht haben, wählen die vielversprechendsten Ideen heute zumeist den direkten Weg zum Venture Capital. Es gilt also, Ideen für potentialträchtige zukünftige Geschäfte als erster zu erkennen. VC-Gesellschaften müssen sich so auch selbst als Entrepreneure erweisen.
In den USA pflegen Wagnisfinanzierer enge Kontakte zu Hochschulen – die erfolgreichen amerikanischen Venture-Capital-Manager gehen in den Forschungsinstituten ein und aus und sind fester Bestandteil des Campus-Lebens. Der Erfolg gibt ihnen recht: Universitäten wie Stanford oder das MIT (Massachusetts Institut of Technology) verzeichnen inzwischen Unternehmensgründungen mit über 1 Mio. Arbeitsplätzen.
Venture-Capital-Firmen können an deutschen Universitäten dazu beitragen, den Unternehmergedanken stärker ins Bewusstsein der Wissenschaftler zu rücken. Durch aktives Coaching und Förderung anwendungsorientierter Forscher bei der Weiterentwicklung von Produktideen zu Geschäftsideen können Risikokapitalgeber darüber hinaus aktiv zum Entstehen neuer Unternehmen beitragen.
Durch ihre genauen Kenntnisse der Anforderungen an Geschäftsideen und Businesspläne sind sie dazu prädestiniert, frühzeitig vielversprechende Ideen aufzugreifen und weiterzuentwickeln.
Als Forum für die Weiterentwicklung von Ideen können z.B. spezielle Gründungs-Workshops dienen. Solche Workshops dürfen jedoch nicht bloß die Vielzahl der einschlägigen Vortragsveranstaltungen um eine weitere anreichern; sie müssen ein echtes Coaching einzelner Ideenträger bieten.
Da ihr Geschäftsmodell nicht auf Teilnahmegebühren für Workshops basiert, sondern auf der Finanzierung von Geschäftsideen, haben Venture-Capital-Firmen ein sehr viel größeres Interesse daran, wirklich Erfolg versprechende Ideen in diesen Workshops hervorzubringen als andere Veranstalter. Für Forscher mit hohen Ambitionen sind sie demnach die beste Anlaufstelle – nicht nur für die Workshops, sondern für alle gründungsrelevanten Probleme.
Eine weitere Möglichkeit für interessierte und ambitionierte Wissenschaftler stellt die zeitlich begrenzte Mitarbeit in Start-ups dar. Die Vermittlung von Praktikumsstellen bei Portfolio-Unternehmen durch den Venture-Capital-Geber hat Vorteile für beide Seiten: Zum einen kann ein geeigneter Praktikant gezielt Know-how-Lücken desjenigen Teams überbrücken, das er zeitweise ergänzt. Zum anderen kann sich der Praktikant selbst einen hervorragenden Eindruck davon verschaffen, was es heißt, selbst ein Unternehmen aufzubauen und wie auftretende Probleme gelöst werden können.
Dies bedeutet nicht, dass Venture-Capital-Firmen die Aufgaben der Jungunternehmer übernehmen. Vielmehr sollen sie sehr frühzeitig Hilfe leisten an genau den Stellen, die für die zuvor hauptsächlich wissenschaftlich tätigen Gründer Probleme bergen.
Dabei handelt es sich erfahrungsgemäß um Fragen der Marktabschätzung und Markterschließung sowie um die Umsetzung einer Produktinnovation in einen vermarktungsfähigen Kundennutzen. Häufig ist darüber hinaus Hilfe bei der Ergänzung des Teams um ein kaufmännisch erfahrenes Mitglied erforderlich.
Von einer engen Zusammenarbeit zwischen Venture-Kapital-Firmen mit Forschern und Universitäten profitieren beide Seiten. Die Kapitalgeber erhalten den nötigen Zugang zu bahnbrechenden Ideen, die Universitäten bekommen im Gegenzug ein Netzwerk, das die erfolgreiche Umsetzung vieler Ideen in die Praxis erst ermöglicht.
CHRISTIAN G. NAGEL


   


 
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