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Friday
October 27, 2006
  Venture Capital-Panel - Results for 3rd Quarter 2006: Less Money For Young Hightech Companies (Text in German)
 

Wagnisfinanzierern geht die Puste aus

VDI nachrichten, München, 27.10.06, ps – Schlechte Nachricht für junge Technologiefirmen: Im 3. Quartal haben Wagnisfinanzierer deutlich weniger investiert als zuvor. Vielen fehlen schlicht die Mittel für Beteiligungen. Händeringend suchen sie deshalb nach Geldgebern für ihre neuen Fonds – leider oft vergeblich, so das aktuelle Venture Capital Panel.

Nur noch 58 Mio. € pumpten die im Venture Capital Panel erfassten privaten Beteiligungsfinanzierer in Start-ups. Nach durchschnittlich rund 100 Mio. € in den Vorquartalen ist dies der niedrigste Wert seit vier Jahren. Hinzu kamen 117 Mio. € von externen Investoren, wie etwa ausländischen Wagnisfinanzierern. Weitere 17 Mio. € wurden von öffentlichen Investoren, wie der KfW oder dem High-Tech Gründerfonds aufgebracht. Das gesamte Beteiligungsvolumen belief sich damit auf 192 Mio. €. Im 2. Quartal waren es noch gut 100 Mio. € mehr gewesen.

Auch die Zahl der gemeldeten Finanzierungsrunden ist rückläufig: Nach 111 im 2. Quartal gingen die Panelteilnehmer im 3. Quartal nur noch 76 Beteiligungen ein. 42 Deals entfielen auf private VC-Gesellschaften. Die restlichen 34 Beteiligungen gehen auf das Konto von öffentlichen Wagnisfinanzierern, die auf dem deutschen Markt eine immer größere Rolle spielen.

Attraktivster Sektor war einmal mehr die Biotechnologie. Rund 19 Mio. € flossen in die Branche, jedoch vorwiegend als Nachfinanzierung in bestehende Beteiligungen. Es folgten die Software- und Medizintechnikbranche mit 13 Mio. € bzw. 12 Mio. €.

Wie hoch die Chance für ein junges Unternehmen ist, Wagniskapital zu erhalten, lässt sich vor allem an der Entwicklung der so genannten A-Runden ablesen. Dabei handelt es sich um Finanzierungsrunden, bei denen ein Hightech-Start-up erstmalig Venture Capital erhält. Auch hier ernüchtern die Zahlen des aktuellen Panels: Von Juli bis September wurden lediglich 25 A-Runden abgeschlossen – im Vorquartal waren es noch 37 gewesen. Auffällig dabei: Rund drei Viertel der Anschubfinanzierungen für junge Technologiefirmen steuerten staatliche Fonds bei. Im Klartext: Die privaten Wagnisfinanzierer haben sich aus der Frühphase der Unternehmensfinanzierung weitgehend zurückgezogen.

Hauptgrund ist die prekäre Finanzausstattung vieler Fonds. 40 von der Münchener FHP Private Equity Consultants analysierte private VC-Fonds verfügen momentan zwar noch über 800 Mio. € für neue Beteiligungen. Aber dieses Kapital liegt ganz überwiegend in der Hand einiger weniger Fonds, die erst kürzlich ihr Fundraising abgeschlossen haben. Nur vier von 32 privaten VC-Fonds haben noch mehr als die Hälfte ihres ursprünglichen Fondsvolumens auf der hohen Kante. Die Mehrheit hat ihre Mittel investiert.

So überrascht es nicht, dass über 60 % der Fondsmanager sich im Augenblick mit der Auflegung neuer Fonds beschäftigen. Doch nicht selten dauert das Fundraising zwölf Monate oder länger. Viele institutionelle Anleger schrecken vor einem Engagement zurück, solange es für den Fonds noch keinen Hauptinvestor gibt.

Zu den wichtigsten Investoren in derzeit neu aufgelegten Fonds gehören die Vermögensverwaltungen wohlhabender Unternehmerfamilien. Es folgen Dachfonds und Banken. Versicherungen und Pensionskassen, die in angelsächsischen Ländern zu den größten Investorengruppen zählen, folgen erst auf den hinteren Plätzen.

Der vor zwei Jahren von der Bundesregierung lancierte ERP/EIF-Dachfonds hat bisher kaum zur Auflegung neuer Fonds beigetragen. Dabei ist Venture Capital auch in Deutschland eine gewinnträchtige Anlageklasse. Der Anteil erfolgreicher Beteiligungsverkäufe an allen Exits stieg auf den Rekordwert von knapp 90 %. Auch deshalb zeigen ausländische Investoren vermehrt Interesse. In den wenigen neu aufgelegten Fonds der letzten Monate bilden – anders als früher – Ausländer die wichtigste Investorenbasis. Aus verschiedenen europäischen Ländern und zunehmend auch aus den USA fließt Geld in deutsche Wagniskapitalfonds. Die Verantwortlichen bei heimischen Banken, Versicherungen und Pensionseinrichtungen verhalten sich hingegen meist noch ablehnend oder zögerlich.

Und das, obwohl sich der positive Trend beim Verkauf von Unternehmensbeteiligungen auch im 3. Quartal fortgesetzt hat: Insgesamt wurden 26 Exits verbucht. Zwölf davon entfielen auf den Verkauf von Beteiligungen an Industrieunternehmen (Trade Sales). In elf Fällen wurden nach einem voraus gegangenen Börsengang Anteile veräußert. Erstmals seit Bestehen des VC-Panels musste außerdem nicht ein einziges Beteiligungsunternehmen abgeschrieben werden – ein weiteres Indiz für die Qualität der aktuellen Beteiligungsportfolios.
PETER SCHWARZ







   


 
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