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Staatsfonds halten junge Gründer bei Laune
VDI nachrichten, München, 28.07.2006, ps –
Immer mehr junge Hightech-Firmen bemühen sich um eine Wagnisfinanzierung. Doch private Investoren halten sich mit Beteiligungen zurück. Ohne die beiden staatlichen Gründerfonds würde die deutsche Gründerszene austrocknen, wie das Ergebnis des aktuellen Venture Capital Panels für das zweite Quartal zeigt.
Die Finanzierung von Technologiegründungen stellen derzeit vor allem staatliche Investoren sicher. Allein im ersten Halbjahr haben der im letzten Jahr aufgelegte Hightech-Gründerfonds und der ERP-Startfonds 34 Start-ups erstmals mit Wagniskapital ausgestattet. Private Investoren zeigen derzeit wenig Neigung, sich wieder verstärkt im Frühphasengeschäft zu engagieren“, fasst Götz Hoyer, Partner der Münchener Beratungsgesellschaft FHP Private Equity Consultants, das aktuelle Venture Capital Panel zusammen.
Die meisten der 40 von FHP befragten privaten Wagnisfinanzierer haben ihre Fonds weitgehend investiert. VC-Experte Hoyer: „Das noch verbliebene Kapital bleibt vorrangig für Firmen reserviert, an denen die Fonds bereits beteiligt sind. Für neue Investments ist kaum noch Geld da.“
Die Lücke, die im deutschen Markt für Unternehmensfinanzierungen klafft, wird immer offensichtlicher von den beiden staatlichen Investoren gefüllt. Finanziert werden dabei vor allem Ausgründungen aus Universitäten und Forschungseinrichtungen.
Viele der Beteiligungen weisen ähnlich anspruchsvolle Anforderungen an Management, Markt und Technologie auf wie die Beteiligungen privater Venture Capital Gesellschaften. Aber auch Unternehmen aus Branchen, die in den Portfolios klassischer Wagnisfinanzierer weniger häufig zu finden sind, erhalten Mittel: So sind beispielsweise Firmen aus den Sektoren Medizintechnik oder physikalische Technologien vergleichsweise stark vertreten.
Über mangelndes Interesse an Wagniskapital können derzeit weder die staatlichen noch die privaten Fonds klagen. In den vergangenen zwölf Monaten gingen bei den Investoren durchschnittlich 250 Finanzierungsanfragen pro Investor ein – tendenziell mehr als noch vor einem Jahr (siehe Grafik). Allerdings führte kaum mehr als jede hundertste Anfrage am Ende auch zu einer Finanzierung.
Ein weiteres Problem: Nicht selten vergeht mehr als ein halbes Jahr, bis das ersehnte Kapital dem Unternehmen auch wirklich zur Verfügung steht. „Ein Zeitraum, in dem so manche Innovation schon zum alten Hut geworden ist oder aber sich im Ausland durchgesetzt hat“, kommentiert FHP-Partner Hoyer.
An der Qualität der eingereichten Businesspläne kann es dabei kaum liegen. Nach Einschätzung der Panelteilnehmer hat diese im vergangenen Jahr nämlich eher zugenommen (siehe Grafik). Auf der Suche nach interessanten Start-ups richten Venture Capital Gesellschaften besonderes Augenmerk auf serial entrepreneurs sowie Spin-offs aus Forschungseinrichtungen, Industriekonzernen und Hochschulen.
Hier weitere Ergebnisse der aktuellen Panelrunde:
– Im zweiten Quartal meldeten die Panelteilnehmer 111 neue Beteiligungen, 71 entfielen auf private Investoren, 40 auf den Hightech-Gründerfonds und den ERP-Startfonds des Bundes.
– Für ihre 71 Beteiligungen gaben die privaten Finanzierer 111 Mio. € aus, die beiden staatlichen Fonds pumpten 21 Mio. € in ihre 40 neuen Portfoliofirmen. – Von April bis Ende Juni sind die Investoren 37 so genannte A-Runden eingegangen, bei denen ein Start-up erstmals mit Wagniskapital ausgestattet wurde. Lediglich 13 A-Runden gingen dabei auf das Konto privater Investoren. Die übrigen 24 wurden vom Hightech-Gründerfonds und der KfW-Bankengruppe (ERP-Startfonds) finanziert.
– Zu den aktivsten VC-Gesellschaften gehörten – neben den beiden staatlichen Fonds – Siemens Venture Capital mit zehn Investments und TVM Capital mit acht Investments. Das meiste Kapital wurde mit Abstand von First Ventury investiert: In drei junge Firmen pumpten die Heidelberger insgesamt 30 Mio. €.
– Zu den attraktivsten Sektoren gehörten der Softwarebereich und die Biotechnologie. Start-ups dieser beiden Branchen erhielten jeweils rund 27 Mio. €.
– Gut ein Viertel aller Beteiligungen entfiel im zweiten Quartal auf Bayern. Es folgten NRW mit einem Anteil von 17 % und Berlin mit 11 %.
– Positiv hat sich der Verkauf von Unternehmensbeteiligungen entwickelt. In zehn Fällen wurden Anteile im Zuge eines Börsengangs veräußert – der höchste Wert in den vergangenen fünf Jahren. Elf Mal wurden Aktien von Unternehmen verkauft, die schon in den Vorquartalen an die Börse gegangen waren. Fünf Unternehmen aus den Portfolios der Investoren wurden an Industrieunternehmen weiterverkauft (Trade Sale). Für die Konsolidierung des deutschen Marktes spricht auch die Tatsache, dass im zweiten Quartal nur ein Unternehmen abgeschrieben werden musste, der niedrigste Wert seit Bestehen des VC-Panels. P. SCHWARZ

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