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Saturday
April 1, 2006
  Venture Capitalists make young stocks more attractive (Text in German)
 

WELT-Analyse: Anleger müssen bei Börsengängen umdenken - Verhalten der Altaktionäre spielt keine Rolle

von Patrizia Ribaudo und Holger Zschäpitz

Frankfurt/Main - Manchmal ist es erstaunlich, was ein Hausputz im Frühling zutage fördern kann. So müssen sich Anleger bei der jetzt aufblühenden Neuemissions-Saison von liebgewonnen Vorurteilen trennen. Das zeigt eine Analyse der WELT, bei der sämtliche Börsendebüts (IPO) seit Anfang 2005 untersucht wurden.

Entgegen der landläufigen Meinung schnitten Börsennovizen, bei denen im Vorfeld des IPO Risiko-Kapitalgeber engagiert waren, deutlich besser ab als Unternehmen, die keine Private-Equity oder Venture-Capital-Gesellschaften (VC) im Boot hatten. Und das ziemlich deutlich: So ließen sich mit Interhyp, Q-Cells, MTU, Tipp24, Parion, Ersol, Jerini, Premiere und Thielert durchschnittlich 41,4 Prozent Kurszuwächse gegenüber dem Ausgabepreis erzielen. Bei den Firmen, bei denen keine professionellen Geldgeber zugegen waren, betrug das Plus lediglich 34,6 Prozent. Der positive Einfluß von VC-Gesellschaften auf die Kursentwicklung ist so stark, daß noch nicht einmal Premiere das Ergebnis nach unten ziehen konnten. Dabei ist der Anbieter von Bezahl-TV mit einer Kurshalbierung der schwächste Börsengang der vergangenen 15 Monate und gehörte zu einem Großteil dem Risikokapitalgeber Permira.
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In diesem Zusammenhang muß mit einem weiteren gravierenden Vorurteil aufgeräumt werden. Immer wieder warnen Experten vor Börsengängen, bei denen die Altaktionäre nur Kasse machen wollen und dem Unternehmen kein neues Kapital zufließt. Die Analyse ergab jedoch, daß Gesellschaften, bei denen die Papiere mehrheitlich aus dem Bestand der Altaktionäre stammen, gegenüber dem Ausgabepreis im Schnitt 44,6 Prozent zulegen konnten. Ganze 14 Prozentpunkte weniger waren es bei Q-Cells, Tipp24, Parion, Lloyd Fonds, Ersol, Jerini und Finanzhaus Rothmann. Hier kamen die überwiegenden Erlöse aus dem Börsengang dem Unternehmen direkt zugute.

"Eine Verteufelung von Private-Equity-Emissionen ist falsch", sagt Eberhard Dillger von der Commerzbank. Ein Unternehmen, das in der Hand von Risiko-Kapitalgebern war, sei durch eine harte Schule gegangen. Deren Manager seien gewohnt, kostenorientiert zu arbeiten und transparente Bilanzen aufzustellen. "VC-Eigentümer sind ein sehr, sehr gutes Training." Nicht relevant ist es dagegen, wofür die eingenommenen Mittel verwandt werden. Es macht für die Kursentwicklung keinen Unterschied, ob die Gelder in die Expansion gesteckt oder zur Stärkung des Eigenkapitals eingesetzt werden.

Damit müssen Anleger umdenken bei der Bewertung von IPOs. Im Mittelpunkt sollte nicht mehr die Frage stehen, welcher Anteil des Emissionserlöses dem Unternehmen zufließt. Vielmehr geht es um eine Evaluierung des Geschäftsmodells und des Managements. Wichtiger ist, zu welchem Preis die Papiere angeboten werden.

Für die Bewertung des größten Börsenganges seit 2005, Wacker Chemie, hat das Konsequenzen. Anleger sollten sich nicht daran stoßen, daß die Wacker-Familie Kasse macht. Wesentlich interessanter ist, zu welchem Preis der Münchener Chemiekonzern an den Markt drängt. Denn die Analyse macht auch deutlich: Sind die Preisvorstellungen überzogen und können die Aktien nur am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne plaziert werden, laufen sie schlechter als solche Emissionen, die zum Höchstkurs kommen.

   


 
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