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VDI nachrichten, ZürichS, 28. 10. 05 - Eigentlich hatte die Esmertec AG, die java-basierte Software für Mobiltelefone und Embedded Systems entwickelt, bereits im Juni an die Börse in Zürich gehen wollen.Doch Patentprobleme und Forderungsausfälle sorgten für Turbulenzen. Erst Ende September gelang der Sprung aufs Parkett. Eine Geduldsprobe nicht für das Management sondern auch für den beteiligten Wagnisfinanzierer Earlybird.
Schlechte Nachrichten machten den Eidgenossen zunächst einen Strich durch ihre Börsenpläne. Zunächst deutete die britische Konkurrentin Tao Group eine Technologieüberschneidung an.
Kurz darauf ging der Handyhersteller und Esmertec-Kunde Sendo pleite, der bei den Schweizern mit 1,8 Mio. $ in der Kreide stand. "Ich war im Moment verärgert über die Umstände und enttäuscht, da wir alle sehr viel Zeit und Arbeit in den Börsengang investiert hatten," erinnert sich Vorstandschef Alain Blancquart, dem gar nichts anderes übrig blieb, als den IPO erst zweimal neu zu terminieren und dann vorläufig abzusagen. "Gegenüber den Investoren und der Öffentlichkeit war es die sauberere Lösung, den Börsengang zu verschieben und die Vorfälle, welche hierzu geführt haben, zu erklären."
Den Sommer verbrachten Management und Wagniskapitalgeber notgedrungen damit, das zerbrochene Porzellan zu kitten. "Zum Glück konnten wir schnell beweisen, dass es kein Patentproblem gibt. Außerdem war der Forderungsausfall durch die Insolvenz von Sendo nur gering", sagt Roland Manger, Managing Partner bei Earlybird, einem der drei größten Venture Capital Geber von Esmertec.
Zur Überraschung der Finanzpresse nahm das Unternehmen am 29. September erneut Anlauf zum Börsengang - diesmal mit Erfolg. Zum Ausgabepreis von 18 CHF verkaufte die 1999 aus der EHT Zürich ausgegründete Firma 5,45 Mio. Aktien. Insgesamt spülte der sechsfach überzeichnete IPO rund 98 Mio. CHF in die Kasse. Geld, das fast vollständig für das weitere Wachstum zur Verfügung steht. Lediglich Management und Gründer trennten sich von einigen wenigen Aktien.
Formal sind die Wagniskapitalgeber verpflichtetet, ihre Anteile nach dem IPO mindestens sechs Monate lang zu halten. Für ein weiteres halbes Jahr gilt, dass sie nur eingeschränkt verkaufen können. "Für uns war das kein Exit, sondern eine Maßnahme zur Kapitalerhöhung", stellt Manger klar. "Esmertec hat noch viel Potenzial. Von dem wollen wir profitieren."
An der Börse hat das Unternehmen allerdings noch nicht zum Höhenflug angesetzt. Derzeit notiert die Esmertec-Aktie bei 17,50 CHF - also deutlich unter dem Ausgabepreis. Zu welchem Zeitpunkt sich die Risikofinanziers von ihrer Beteiligung trennen werden, ist offen. Insgesamt erhielt Esmertec in drei Finanzierungsrunden knapp 15 Mio. € Venture Capital. Earlybird ist seit 2001 dabei und hält etwa 15 % an der Firma.
"Es gab keinen Druck", bestätigt CEO Blancquart. Dass die Wagniskapitalgeber noch einige Zeit bei der Stange bleiben, war für die Aktie ein wichtiges Verkaufsargument. "Die Investoren haben das sicher positiv aufgenommen", meint Blancquart.
Aus Sicht von Esmertec diente der Börsengang vor allem dazu, sich ein komfortables Finanzpolster zuzulegen. Zum Beispiel, um künftige Akquisitionen zügig unter Dach und Fach bringen zu können. "Wir wollen schnell wachsen. Dafür brauchen wir Kapital," sagt Blancquart. Im ersten Halbjahr 2005 setzte Esmertec mehr als 20 Mio. $ um. Das Unternehmen ist operativ profitabel. Wegen des Forderungsausfalls und der IPO-Kosten steht unterm Strich derzeit jedoch eine rote Zahl.
Hinzu kommt: Esmertec nutzt die Notierung, um sich gegenüber Abnehmern, in der Regel große Player wie Sony-Ericsson oder Panasonic, zu positionieren. "Es geht auch um Glaubwürdigkeit", sagt Blancquart. "Unsere Kunden schätzen es, wenn ein wichtiger Zulieferer transparent ist."
Für Earlybird war der Börsengang von Esmertec einer von drei IPOs von Portfoliounternehmen in den vergangenen Wochen. Davor hatte der Wagniskapitalgeber, der seinen ersten Fonds 1999 auflegte, noch keinem Start-up zum Going Public verholfen. "Wir haben jetzt gezeigt, dass wir Firmen erfolgreich aufs Parkett bringen können", meint Manger. Für den Wagniskapitalgeber ist das auch ein wichtiges Argument beim künftigen Fundraising, also dem Einsammeln von Geldern für einen neuen Fonds. In den kommenden zwölf bis 18 Monaten will die Münchener Beteiligungsgesellschaft weitere Portfoliounternehmen an die Börse bringen.
Erfolg beim Börsengang hängt aus Sicht von Manger vor allem ab vom Zusammenspiel zwischen Unternehmen und VCs. "Kein IPO läuft wirklich nach Plan", sagt er. "Aber Krisen lassen sich nur meistern, wenn Mannschaft und Investoren am gleichen Strang ziehen."
Nach Ansicht von Esmertec-CEO Alain Blancquart war der Börsengang eine gewaltige Kraftanstrengung für die Firma. "Die Vorbereitung braucht sehr viel Zeit, Energie und Ausdauer. Hierfür benötigt man ein starkes Team," sagt er. Sein Rat an künftige Börsenaspiranten: "Man darf das eigentliche Geschäft nicht aus den Augen verlieren." Denn sonst steht der Börsenneuling am Ende mit einem hübschen Emissionserlös da, hat aber seine Kunden verloren. SILKE LINNEWEBER
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