Presse
Venture Blog

Roland Manger ROLAND MANGER
Managing Partner
München
schreibt für
Financial Times Deutschland
Financial Times Deutschland - enable -    enable.ftd.de
16.06.2008   Sockelsturz der Superhelden
 

Der Mythos vom gleich mehrfach erfolgreichen Unternehmer ist in der VC-Szene sehr präsent. Studien zeigen jedoch: Erst-Gründer und Wiederholungstäter scheitern gleich häufig und sind gleich häufig erfolgreich.

Frage irgend einen VC, wo auch immer auf der Welt, welche Art von Unternehmer er am liebsten finanziert. Die Antwort beinhaltet fast immer den Begriff des unternehmerischen Wiederholungstäters, in VC-Speak auch gerne Repeat oder Serial Entrepreneur genannt. VCs werden nicht müde, ihren gegenüber Investoren und der Welt die Vorzüge dieses Typus zu preisen.
Erfolgreiche Wiederholer gelten als Superhelden der Branche. Jeder will mit ihnen arbeiten und sie finanzieren. Angeblich haben sie fast alles schon gesehen und kennen sich im Dschungel des Marktes und mit den Unwägbarkeiten von Start-ups besonders aus. Ikonen dieses Typus sind in den USA beispielsweise Marc Andreesen, der Gründer von Netscape und Loudcloud/Opsware und in Deutschland die Samwer-Brüder mit Alando und Jamba.

Hilft die Erfahrung des Scheiterns?
Da es nicht so viele von ihnen gibt, nimmt man auch gern solche Wiederholungstäter als Beispiel, die schon ein oder zweimal gescheitert sind. Wer hingefallen ist, so glaubt man, erkennt beim nächsten Mal die Fallstricke und ist daher besser für den Erfolg gerüstet. In diesem Zusammenhang wird oft darüber geklagt, dass die Erfahrung des Scheiterns besonders in Deutschland nicht besonders gewürdigt werde. Ein Ray Kroc hatte ja auch fünfmal scheitern müssen, bevor er schließlich McDonald's gründete.

Dieser Mythos wird nun von David Storey, dem Prodekan der britischen Warwick Business School, in einem Artikel der Financial Times als solcher entlarvt.
Viele große Gründer waren Ersttäter

Storey verweist auf Untersuchungen in Großbritannien und Deutschland die zeigen, dass für erfahrene Gründer die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich ein neues Unternehmen zu gründen nicht höher ist als bei Neuanfängern. Zu den erfolgreichen Neuanfängern gehörten unter anderem Bill Gates (Microsoft), Steve Jobs (Apple), Larry Elison (Oracle), Sergey Brinn (Google), Jerry Yang und David Filo (Yahoo), Robert Haselsteiner und Marcus Wolsdorf (Interhyp), Rainer Christine (Amaxa) und viele mehr.

Dies deckt sich auch mit unseren Erfahrungen: Zum einen entziehen sich die meisten Erfolgsfaktoren einer Neugründung der Beeinflussung durch die Gründer. Zum anderen hilft unternehmerisches Potenzial, das im Feuer der erstmaligen Bewährung geweckt wird, oft mehr als pure Erfahrung. Vor diesem Hintergrund ist es oft schwer zu beurteilen, ob ein Wiederholungstäter nur durch Glück erfolgreich war oder anders herum, jemand mit großem Potenzial nur scheiterte, weil er einfach Pech hatte.

Als VCs müssen wir also darauf setzen, einen Gründer möglichst lang und möglichst intensiv zu beobachten, um Rückschlüsse auf sein Potential ziehen zu können. Der bequeme Verweis auf früheren Erfolg hilft nicht.

  www.ftd.de/karriere_management/management/:Kolumne%20Sockelsturz%20Superhelden/372894.html?eid=34931

 

 
Top