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Venture Blog

Roland Manger ROLAND MANGER
Managing Partner
München
schreibt für
Financial Times Deutschland
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09.06.2008   Sag mir wo die Unternehmen sind
 

Die Deutschen gelten im Ausland nicht als besonders unternehmerisch. Dabei werden zum einen Vorurteile aus längst vergangenen Zeiten gepflegt. Zum anderen ist Unternehmertum weltweit ein Phänomen, das besonders Minderheiten betrifft.
Gerade bin ich aus Washington zurück gekommen. Dort habe ich eine Veranstaltung für Venture-Capital-Geber und deren weltweite institutionelle Investoren besucht, eine Mischung aus Konferenz und professionellem Speed Dating.
Networking ist immer wertvoll, aber es war auch interessant zu erfahren, wie Investoren aus den USA und Asien über die europäische und deutsche Venture-Capital-Szene denken. Manches davon war geradezu erschreckend. Clint Harris, der Gründer von Grove Street Advisors, einer international hoch respektierten Institution die beispielsweise die Gelder des größten amerikanischen Pensionsfonds Calpers anlegt, hat aus seinen Vorurteilen keinen Hehl gemacht.
Beim Stichwort innovatives Unternehmertum in Deutschland verweist er auf seine persönlichen Erfahrungen aus den achtziger Jahren. Damals eröffnet er das deutsche Büro der Unternehmensberatung Bain & Company. Die Siemens-Zentrale um fünf Uhr nachmittags, so eine Ansicht, die er gern Gesprächspartnern vermittelt, sei der einsamste Ort der Erde. Wieso solle man in ein Land investieren, in dem so viel Wert auf Freizeit gelegt wird?

Doppelt so viele Gründungen in den USA

Zugegeben, die Aussage von Harris ist extrem und nicht repräsentativ für die gesamte Bandbreite der Meinungen. Trotzdem befinden sich Variationen davon in vielen Köpfen. Eine Statistik welche die Neigung zum Unternehmertum weltweit vergleicht, liefert dafür ein weiteres Argument. Während in den USA acht von einhundert Einwohnern eine Firmengründung in Erwägung ziehen, sind es in Deutschland weniger als halb so viele.
Man kann diese Zahlen allerdings auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten: Sowohl in den USA als auch in Deutschland sind die Unternehmer Teil ein kleinen Minderheit. Darüber hinaus zeigt ein Blick auf unsere Earlybird-Unternehmer in Deutschland und den USA: Es gibt kaum Unterschiede im Einsatz der Gründer für ihr Unternehmen.
Die trotz allem höhere unternehmerische Neigung in den USA lässt sich vielleicht teilweise demografisch erklären: Die Hälfte aller mit Venture Capital finanzierten Unternehmen in den USA werden von Einwanderern gegründet. Es kommt also nicht nur auf den Unternehmergeist der eigenen Bevölkerung an sondern auch darauf ob man die besten Talente weltweit anziehen kann. Und das ist sicher nicht nur eine Frage des Geldes.

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