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Roland Manger ROLAND MANGER
Managing Partner
München
schreibt für
Financial Times Deutschland
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12.05.2008   Mit Meilensteinen Neuland betreten
 

Die Entwicklung eines neuen Unternehmens lässt sich schwer vorhersehen. Kapitalgeber und Gründer brauchen aber Anhaltspunkte für die Unternehmensbewertung. Hier bieten sich Meilensteine an.

Die finanzielle Bewertung von Start-ups ist nicht einfach, vor allem weil praktisch alle bewertungsrelevanten Aspekte auf Annahmen über die Zukunft beruhen.

Selbst wenn es einmal Liebe auf den ersten Blick ist zwischen Gründern und VC – häufig kann man sich doch nicht darauf einigen, von welchen Annahmen man ausgehen soll. Die Gründer sagen, sie seien nach einem Jahr profitabel und erreichten nach drei Jahren die richtige Größe für einen signifikanten Börsengang oder Unternehmensverkauf. Die VCs behaupten, ein Break-Even nach zwei Jahren sei schon sportlich und der Exit erst nach fünf Jahren wahrscheinlich.

Diese zwei Szenarien führen natürlich zu sehr unterschiedlichen Bewertungsvorstellungen für die geplante Kapitalerhöhung und zu einer unterschiedlichen Sicht des dafür zugrundeliegenden Kapitalbedarfs. Was tun, wenn die Liebe groß ist aber eine Einigung weit entfernt ?

Statt den Deal platzen zu lassen, kann man zum Instrument der Meilensteinfinanzierung greifen. Die üblichste Variante dabei geht davon aus, dass die Annamen der Gründer bezüglich der Geschäftsentwicklung stimmen. Man identifiziert gemeinsam aus allen Annahmen des Business-Planes diejenigen, die sich als Kriterien und Aspekte echter Wertentwicklung und Bestätigung des Business-Planes eignen (beispielsweise ein funktionierender Prototyp bei einer Seed-Finanzierung oder ein erster signifikanter Auftrag – oder mehrere – von einem typischen Kunden aus dem Zielmarkt bei einer Start-up-Finanzierung).

Dieser Meilenstein wird dann mit einem Zieldatum versehen und der Kapitalbedarf bis zu diesem Zeitpunkt gemeinsam abgeschätzt. Wird der Meilenstein zum vereinbarten Zeitpunkt erreicht, wird die Einzahlung der nächste Tranche der vereinbarten Finanzierung durch den Investor fällig (bis zum nächsten Meilenstein). Wird der Meilenstein nicht erfüllt, so erlischt zunächst die weitere Einzahlungsverpflichtung des Investors.

Wenn die Annahmen der Gründer nicht zutreffen, sind die Unternehmen zumeist noch nicht am Ende, sondern es wird neu verhandelt. Der Investor hat bereits Kapital in das Unternehmen gesteckt und will es nicht unbedingt abschreiben. Falls das Unternehmen noch realistische Perspektiven hat, ist er also zu Verhandlungen bereit. Die Gründer haben Energie und Zeit investiert und zumeist obendrein auch eingesehen, dass Ihre Annahmen nicht eingetreten sind. Deshalb gibt es auch dort meist Verhandlungsbereitschaft. An einem solchen Punkt angekommen, steht das Unternehmen aber oft unmittelbar vor der Insolvenz; alle Beteiligten haben also ein Interesse daran, sich schnell zu einigen.

Eine drohende Insolvenz ist nichts Erstrebenswertes. Die allermeisten erfolgreichen Technologie-Startups haben diese Situation jedoch schon mindestens einmal erlebt. Bei einer Veranstaltung an der Stanford Universität hat Scott McNealy, einer der Gründer von Sun Microsystems, einmal zugegeben: "Bevor wir an die Börse gingen, waren wir siebenmal fast pleite."

Aber wir hatten es ja schon früher geahnt: Das Gründen eines Technologie-Unternehmens ist nichts für schwache Nerven.

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