Presse
Venture Blog

Roland Manger ROLAND MANGER
Managing Partner
München
schreibt für
Financial Times Deutschland
Financial Times Deutschland - enable -    enable.ftd.de
28.01.2008   In der Welt zuhause - zuhause was wert
 

Technologieunternehmen werden mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen je nachdem ob sie national oder global agieren oder welches Geschäftsmodell sie verfolgen

Unternehmen für den Börsengang vorzubereiten gehört zu den schöneren Aufgaben im Leben eines VCs. Das Risiko ist im Wesentlichen raus, das Unternehmen wird langsam im Markt bekannt und man hat eine erste konkrete Vorstellung vom möglichen Gewinn den das Investment in absehbarer Zeit bringen wird. Jetzt kommt es nur noch auf die weitere Entwicklung von Umsatz und Gewinn an und natürlich auf ein gutes Marktumfeld.

Schief gewickelt !

Entgegen aller grauen Theorie sind auch die Marktgeografie und die Einordnung des Unternehmens in die Schubladen der Börsianer wesentliche Treiber für den Unternehmenswert.

Der Bereich Unternehmenssoftware eignet sich als Beispiel: Nach einer internen Untersuchung börsennotierter Softwareunternehmen durch Earlybird im November 2007, lassen sich erhebliche Unterschiede in den Bewertungsmassstäben feststellen. Je nachdem, ob ein Unternehmen vorwiegend in Deutschland aktiv ist oder vorwiegend global.

Vorwiegend in Deutschland aktive Software-Unternehmen wurden im Mittel dem 1,3-fachen ihres Jahresumsatzes bewertet. Vorwiegend global aktive klassische Softwareunternehmen im Mittel mit dem 2,7-fachen des Jahresumsatzes. Das heißt: Trotz gleichen Umsatzes sind global aktive Unternehmen doppelt so viel wert. Die Börse schätzt global operierende Unternehmen deshalb deutlich mehr - weil sie mehr Wachstumsspielraum haben und man den erfolgreichen "rein deutschen" Unternehmen erst einmal nicht zutraut, auch global erfolgreich zu sein. Der Beweis der Globalisierung ist also ein enormer Werthebel.

Aber auch für die global aktiven Software-Unternehmen gibt es unterschiedliche Schubladen. Global aktive klassische Vertreter der Branche (also solche, die Software Lizenzen verkaufen) wurden mit dem 2,7-fachen des Umsatzes bewertet.

Die neuere Kategorie der sogenannten Software-as-a-Service-Unternehmen (SaaS) wie zum Beispiel Salesforce.com oder Omniture wurden im Mittel mit dem 8,1-fachen des Umsatzes bewertet. SaaS-Unternehmen verkaufen einem Kunden nicht nur einmal eine Lizenz und sehen ihn dann, vereinfacht gesagt, nie mehr wieder, sondern sie verkaufen ein Abonnement, welches zu regelmäßigen und sehr gut vorhersehbaren Umsätzen führt - etwas was Börsianer besonders mögen.

Obwohl bei der Stichprobe der rein deutschen Unternehmen vereinzelt auch SaaS-Unternehmen zu finden waren, konnten diese nicht vom besonderen SaaS-Bonus profitieren, sondern wurden mit den klassischen Anbietern in einen Topf geworfen.

Die dramatisch unterschiedlichen Bewertungsmaßstäbe je nach Schublade (nicht nur bei Software, sondern auch Elektronik, Medizintechnik und Umwelttechnik) beeinflussen bei uns und andere VCs natürlich die Auswahl unserer Investments sowie die Gestaltung des Geschäftsmodells und des Geschäftsplanes. Daher sollten sich Gründer vorher genau überlegen, in welcher Schublade sie später landen wollen.

  enable.ftd.de/die-stimme-des-geldes/2008/01/28/in-der-welt-zuhause-zuhause-was-wert/

 

 
Top