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Roland Manger ROLAND MANGER
Managing Partner
München
schreibt für
Financial Times Deutschland
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12.11.2007   Man nehme...
 

Deutschland ist immer noch ein innovationskräftiges Land. Bei den beiden anderen Zutaten für die erfolgreiche Entwicklung von jungen, schnell wachsenden und nachhaltig wettbewerbsfähigen Unternehmen herrscht aber noch Mangel.

von Roland Manger

Zwar hatte ich schon erwähnt, dass ich Konferenzen nicht mag, trotzdem habe ich letzten Montag an einer Konferenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung teilgenommen. Ein Jahr nach Auflage der Hightech-Strategie für Deutschland der Bundesregierung war es Zeit für einen Zwischenbericht und eine Bestandsaufnahme.

Eines der Themen im Mittelpunkt war „Innovation und unternehmerisches Wagnis“. Wo stehen wir heute bei der Gründung und Entwicklung von innovativen Hightech-Unternehmen und was kann noch besser werden ?

Zunächst: Was sind die wichtigsten Zutaten für erfolgreiche Hightech-Unternehmen? Neben relevanten Innovationen werden vor allem talentierte Gründer und ausreichend Kapital gebraucht. Produkte entwickeln und verkaufen sich nicht von allein. Selbst die erfolgreichsten neuen Produkte der Hightech-Geschichte mussten zunächst mit dem passiven Widerstand der Kunden und dem aktiven Widerstand der Platzhirsche in den jeweiligen Branchen fertig werden. Zudem sind meist hohe Investitionen nötig, bevor ein Technologieunternehmen finanziell auf eigenen Beinen steht.

In Deutschland fehlt es nicht an Innovationskraft . In vielerlei Hinsicht (F&E-Budget im Bezug auf das BIP, wissenschaftliche Veröffentlichungen pro Mio. Einwohner oder Triadepatente pro Mio. Einwohner) sind wir im Vergleich zu den allgemein als führend anerkannten Amerikanern wettbewerbsfähig.

Anders sieht es beim Thema unternehmerische Risikobereitschaft aus. Während in den USA etwa 8 Prozent der Bevölkerung zum Unternehmertum neigen, sind es in Deutschland nur 3 Prozent. Auf beiden Seiten des Atlantiks ist es auf jeden Fall die absolute Minderheit. Unternehmertum ist aber auch von einer anderen Warte aus betrachtet ein Minderheitenphänomen, vor allem auch im Hightech-Sektor. Viele der größten und bekanntesten amerikanischen High-Tech-Konzerne wurden von Einwanderern gegründet. Intel beispielsweise unter anderem von einem Ungarn namens András István Gróf, den meisten nur unter dem Namen Andy Grove bekannt. Googles Sergey Brin kommt aus Russland, Ebays Pierre Omydiar aus Frankreich und die Gründer von Sun Microsystems, Andreas von Bechtolsheim und Vinod Khosla, aus Deutschland beziehungsweise Indien.Dies sind nicht nur geschickt gewählte Beispiele. Die Hälfte aller VC-finanzierten Unternehmen in den USA wurde von Zuwanderern gegründet. Sie sind die große unternehmerische Reserve der USA.

Kapital stellt aber den größten Engpass dar. Während die Volkswirtschaften der USA und Europas etwa gleich groß sind, gibt es in Europa nur ein Fünftel des Wagniskapitals. Weniger Unternehmen können finanziert werden, Bewertungen für Unternehmen sind niedriger und Gründer tragen mehr finanzielles Risiko.

Worin liegt der Mangel an Wagniskapital begründet? VC-Fonds beziehen Ihr Kapital gewöhnlicherweise von institutionellen Investoren. Die prall gefüllten Fonds in den USA bekommen mehr als die Hälfte Ihrer Mittel von Pensionskassen sowie Universitäts- und Stiftungsvermögen – Kapitalquellen, die in Deutschland für VCs nicht existieren. Banken und Versicherungen investieren zwar in Venture Capital, aber das lieber in Asien und den USA. Ausländische Institutionen haben schon eher Interesse an der europäischen und der deutschen VC-Szenek, aber wundern sich, warum denn die Deutschen da nicht selbst investieren. So bleibt nicht wirklich eine große potenzielle Kapitalbasis übrig.

Frankreich hatte bis vor kurzem ähnliche Probleme. Dies hat den damaligen Finanzminister Nicolas Sarkozy 2004 dazu veranlasst, ein Gespräch mit den großen französischen Lebensversicherern zu suchen, die große Mengen an Kapital langfristig anlegen. Er versprach, kein neues Gesetz zu lancieren, dass die Versicherer zu Investitionsquoten zwänge, wenn sie sich freiwillig dazu verpflichteten 2 Prozent ihres langfristigen Vermögens in innovative kleine und mittlere Unternehmen (zumeist mittels Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds) zu investieren.

Inzwischen zeigt der Pakt Wirkung. Die unterjährigen Statistiken von DowJones Venture One zeigen, dass Frankreich dieses Jahr Großbritannien bei den VC-Investments wohl überholen wird und damit in Europa führend ist. Kein schlechtes Beispiel für effektives staatliches Handeln.


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