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Roland Manger ROLAND MANGER
Managing Partner
München
schreibt für
Financial Times Deutschland
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29.10.2007   Es bleibt nur, wer sich ändert
 

Junge Unternehmen müssen auch die besten Geschäftspläne häufig ändern um am Markt zu reüssieren. Ein neues Buch liefert dazu interessante wissenschaftliche Erkenntnisse.

von Roland Manger

Letzten Freitag ist mir in der FTD eine Buchrezension mit demTitel "In Darwin we Trust" aufgefallen.

Erik D. Beinhocker, Ex-Software-Manager, VC und nun Wirtschaftsforscher am McKinsey Global Institute greift in seinem Buch mit dem Titel "Die Entstehung des Wohlstands" die klassische Volkswirtschaftslehre und die Evolutionstheorie auf und wendet sie auf unternehmerisches Handeln an. Die Evolutionstheorie kommt dabei besser weg als die Lehre vom Gleichgewicht des Marktes, das entsteht wenn alle Marktteilnehmer rational handeln und über alle relevanten Informationen für ihre Entscheidungen verfügen. Beinhocker sagt: "Die menschliche Vernunft ist so gut wie außerstande, in einem komplexen System wie der Wirtschaft Vorhersagen zu machen, die über einen begrenzten Zeitraum hinausgehen". Stattdessen gründe sich wirtschaftliches Handeln auf die Endlosschleife von Versuch, Irrtum und Korrektur. Wer sich die Evolution zu eigen mache, sucht im Rahmen der Möglichkeiten nach geeigneten Entwürfen und verfolgt was tauglich ist.

Vermutlich beruht ein Teil dieser Erkenntnis auf seine frühere Arbeit als VC mit jungen Unternehmen. Die gleiche Erfahrung habe auch ich in den letzten zehn Jahren gemacht: es gibt bei uns kein einziges erfolgreiches Unternehmen, das ohne wesentliche Änderungen des ursprünglichen Geschäftsplanes ausgekommen wäre. Das Schweizer Software-Unternehmen Esmertec beispielsweise wollte seine mit Abstand führende Technologie in Form eines einzigen Produktes – einem Compiler (Übersetzer) – für die Programmiersprache Java, in vielen verschiedenen Anwendungsbereichen absetzen. Es gab erste Kunden im Bankwesen, bei Automobilherstellern, in der Medizintechnik, etc.

Letztendlich wurde Esmertec Weltmarktführer für verschiedenste Systemsoftware-Komponenten (inklusive des Compilers) – im Wesentlichen in einer Branche, nämlich der Mobilfunkindustrie. Damit konnte das Unternehmen im Jahr 2005 erfolgreich an die Börse gehen.

Die jetzige Strategie des Unternehmens war zum Zeitpunkt unseres Einstiegs im Jahr 2001 beileibe nicht vorherzusehen. Sie hat sich aber im Laufe der Entwicklung der Firma von einem Start-Up hin zu einem global operierenden börsennotierten Unternehmen im Dschungel der weltweiten Technologieindustrie entwickelt.

Gerade bei jungen Unternehmen ist die Notwendigkeit zur Kurskorrektur besonders häufig anzutreffen, wenn ein neues Team, neue Produkte und ein neuer Markt sich als Unsicherheitsfaktoren multiplizieren.

Wenn man Scott Mc Nealy, der mit dem Deutschen Andreas von Bechtolsheim und dem Inder Vinod Khosla Sun die Firma Microsystems gegründet hat, nach den ersten Jahren fragt, so gibt er unumwunden zu, dass Sun siebenmal fast Pleite war bevor es endgültig aufwärts ging.

Warum legen Investoren aber so viel Wert auf einen sorgfältig ausgearbeiteten Geschäftsplan, wenn sich eh alles ändert ? Es ist wohl so ähnlich wie beim Hochseesegeln. Selbst wenn man weiß, dass draußen auf dem Meer die stetigen Änderungen von Wind und Wetter zu häufigen Korrekturen des Kurses führen, so käme doch kein zielorientierter und verantwortungsbewusster Segler auf die Idee, den Kurs nicht vorher doch zu planen.

Trotzdem kann es manchmal sein dass man am Ende wie Kolumbus, statt Indien zu erreichen, Amerika entdeckt. Aber das war ja auch nicht zum Schaden des Entdeckers und seiner Geldgeber.



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