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Roland Manger ROLAND MANGER
Managing Partner
München
schreibt für
Financial Times Deutschland
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22.10.2007   Europa - der unentdeckte Kontinent
 

von Roland Manger

In Europa mangelt es nicht an guten Ideen oder Gründern, es mangelt an Risikokapital. Vorurteile gegenüber europäischen Gründern und europäischen VCs halten sich hartnäckig auch wenn die Fakten andere sind.

Normalerweise versuche ich, mich vor Konferenzen zu drücken, vor allem im Venture-Umfeld. Interessante Unternehmer lernen wir lieber vor Ort in Ihren Unternehmen oder in unserem Büro kennen, Investoren für unsere Fonds findet man dort kaum und die wenigen VC-Kollegen, die es in Europa gibt, kennt man schon.

Die ETRE-Konferenz ist da schon eine Ausnahme, weil hier führende Köpfe aus der Technologie-Branche, Investoren und Gründer, nicht nur aus Europa sondern auch aus Asien und den USA zu finden sind. Selbst Bill Gates oder führende Manager von IBM, Sun oder Google geben sich dort alle paar Jahre die Ehre, dieses Jahr in Budapest.

Wenn man dann noch die Gelegenheit zur Selbstdarstellung bekommt, ist die Motivation zur Teilnahme groß. Man hatte mich gebeten, im Rahmen eines Diskussionsforums zur Lage von Venture Capital in Europa Stellung zu nehmen. Leider habe ich nicht geahnt, dass der Veranstalter der Konferenz und Herausgeber des US-Magazins Red Herring selbst die Diskussion moderieren würde.

Mir stößt es häufig sauer auf, wenn ich mitbekomme, wie Europäer auf Ihren liebevoll gepflegten Vorurteilen gegenüber Amerikanern bestehen. Dieses Mal lief es umgekehrt:

Bevor ich überhaupt die Gelegenheit bekam, nur ein Wort zu sagen, hat der Moderator die Fakten zusammengefasst:

Es giebe kaum gute junge Technologieunternehmen in Europa, das sähe man an der Tatsache dass so wenige VC-Finanzierung bekommen. Ausserdem seien Europäer, Gründer wie VCs, sehr risikoscheu und längst nicht so kompetent wie ihre US-Kollegen. Deswegen käme am Ende bei europäischen VC-Fonds auch finanziell nichts Gutes raus.

Wenigstens versprach die Diskussion nicht, wegen allzu großer Harmonie langweilig zu werden. Die genannten Statements mögen für viele internationale Investoren heute noch plausibel klingen, sie sind nur eins nicht: wahr.

Alle relevanten vergleichenden Statistiken aus verschiedensten Quellen, seien es OECD, Weltbank, Harvard, etc. deuten darauf hin, dass die Bedingungen für technologische Innovation und die „Produktion“ an technologischer Innovation in Europa etwa auf dem gleichen Niveau sind wie in den USA. Allerdings gibt es noch große Unterscheide in der Verfügbarkeit von Risikokapital. Die amerikanische VC-Branche ist mit 35 Jahren bereits alt und reif, währen die europäische mit etwa 10 Jahren noch sehr jung ist. Konsequenz: Es gibt auf das Bruttoinlandsprodukt bezogen deutlich weniger (Faktor 5!) Risikokapital in Europa als in den USA. In Europa werden also deshalb weniger Neugründungen finanziert, weil weniger Risikokapital im Markt ist, nicht weil es keine guten Gründer gibt.

Die Ergebnisse der Unternehmen, die in Europa risikokapitalfinanziert sind, können sich ebenfalls sehen lassen. Eine neue Studie von Ernst & Young und DowJones zeigt:

Von allen VC-finanzierten Unternehmen gehen in Europa mehr an die Börse als in den USA und – noch wichtiger – europäische Unternehmen schaffen häufig mehr Wert für die Investoren.

Das war eine wirklich spannende Diskussion, die mir viel Spaß gemacht hat. Sie zeigt aber auch welche Aufklärungsarbeit uns noch bevorsteht für Europa, den unentdeckten Kontinent.

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