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LLL TRADE SALES
Ende Mai hatten deutsche VC-Investoren seit langem mal wieder etwas zu bejubeln. Mit der Martinsrieder U3 Pharma und der Kölner Amaxa konnten gleich zwei Biotech-Firmen lohnend verkauft werden. Arbeitsplätze gehen wohl nicht verloren, die neuen Besitzer wollen ausbauen.
Jahrelang gelingt VC-Investoren kein großer Trade Sale mit einem deutschen Biotech-Unternehmen, und nun das: Innerhalb von nur wenigen Tagen wechseln sowohl die Martinsrieder U3 Pharma als auch die Kölner Amaxa GmbH ihren Besitzer – wie es aussieht, weder zum Schaden der Mitarbeiter noch der Investoren. Die Preise sind ansehnlich. Für U3 legte der zweitgrößte japanische Pharmakonzern Daiichi Sankyo (weltweiter Jahresumsatz 9,8 Mrd. US-$) stolze 150 Mio. Euro auf den Tisch, im Falle von Amaxa hat der Schweizer Produktionsspezialist Lonza AG rund 90 Mio. Euro bezahlt, so eine Schätzung von Sal. Oppenheim. Statt Notfusionen wird wieder über „Multiples“ gesprochen. „Wir haben unser Investment in Amaxa mehr als verzehnfacht“, sagt Rolf Mathies, Managing Partner von Earlybird. Den Aktionären von U3 Pharma dürfte es nur unwesentlich schlechter ergegangen sein: Nach |transkript-Recherchen wurde die VC-Investition von insgesamt 42,3 Mio. Euro in U3 Pharma verdreifacht. Darüber freuen sich nicht nur die beteiligten Fonds Alta Partners, LSP, Atlas Venture, LCF Rothschild, EDB oder BioM, sondern auch eine Reihe prominenter Branchenvertreter zusammen mit Gründer und MPI-Direktor Prof. Dr. Axel Ullrich, der auch einige Doktoranden an der Firma beteiligte.
Fonds mitten im Fundraising
Die Erfolgsgeschichten von U3 und Amaxa werden in der Kapitalbranche gerne aufgenommen. „Die Deals zeigen, dass mit Biotechnologie in Deutschland Geld verdient werden kann“, sagt Klaus Stöckemann, Partner beim Investor 3i. Das ist besonders wichtig, weil sich viele Fonds im Fundraising befinden. „Derzeit ist die deutsche VC-Landschaft noch total ausgetrocknet“, sagt ein Biotech-CEO, der namentlich lieber nicht genannt werden möchte. Nach den Fehlschlägen aus dem vergangenen Jahr, waren gute Nachrichten Mangelware. Für Joa-chim Rothe, Leiter der Münchener Niederlassung des VC-Investors LSP, „ist das Timing exzellent“. LSP will bis zum Jahresende den LSP IV-Fonds mit einem Volumen von 150 Mio. Euro aufgelegt haben. Auch andere VC-Spezialisten sind dabei, private und institutionelle Investoren abzuklappern – und das oft schon seit Jahren. Global Life Sciences Ventures etwa wollte den eigenen Fonds schon im vergangenen Jahr geschlossen haben. Auf das finale Closing des Wellington Partners III Life Science Fund wartet die Branche bereits seit Sommer vergangenen Jahres.
U3 und Amaxa bleiben erhalten
Eine funktionierende VC-Branche tut dabei auch dem Biotech-Standort gut: Denn sowohl Amaxa als auch U3 Pharma werden nach der Integration nicht nur als eigenständige Einheiten erhalten bleiben, sondern auch ausgebaut. „Wir haben nach einem Käufer gesucht, der Interesse an der Firma als Ganzes hat“, sagt Irina Staatz-Granzer, Vorstandsvorsitzende von U3 Pharma. Olaf König, Leiter Mergers and Acquisitions von Daiichi Sankyo Europe, sekundiert: „U3 Pharma wird der erste Forschungsstandort von Daiichi Sankyo außerhalb Japans.“ Laut König soll U3 in der bisherigen Funktion erhalten bleiben und als eigenständige Forschungseinheit weiterbetrieben werden. Zukünftige Mitarbeiterzahlen oder Investitionen will der Daiichi Sankyo-Konzern, der 2007 rund 500 Mio. Euro mit seinem Europa-Geschäft erlöste, aber noch nicht preisgeben. Klar ist, dass MPI-Direktor Ullrich, der U3 im Jahr 2001 mitgründete und als geistiger Vater der Krebsmittel Herceptin und Sutent gilt, ein wichtiger Faktor bei der Übernahme gewesen ist. „Seine Erfahrung ist für uns beim Aufbau einer Onkologie-Einheit sehr wichtig“, sagt König. Ullrich, der nach |transkript-Recherchen annähernd 10% an U3 besaß, hat einen Beratervertrag mit den Japanern abgeschlossen, steht ihnen damit weiterhin zur Verfügung. Der Zeitpunkt für einen Verkauf ist für Regina Hodits, Partnerin bei Atlas Venture, „ideal“. Das präklinische Datenpaket für das Leitprojekt U3-1287 – eventuell ein Nachfolger für das Krebsmittel Herceptin – sei komplett, klinische Studien sollen noch in diesem Jahr starten. Diese zum Abschluss zu bringen hätte ein weiteres Investment erfordert. „Pharmafirmen kaufen heute nur noch komplette Datenpakete“, so Hodits. „Daher gab es für U3 zwei mögliche Verkaufszeitpunkte: entweder jetzt oder erst nach der Phase II“, so die Investorin. „Wie im Lehrbuch“, schwärmt Ullrich. Nach |transkript-Informationen hatte bereits im vergangenen Jahr ein Pharmakonzern angebissen und Interesse an einem Kauf gehabt. Diese Gespräche scheiterten jedoch.
Über Umwege zum Vertrag
mit Amgen
U3 hat bereits früh Erfahrungen mit der großen Pharmawelt gesammelt, nachdem die Firma im Jahr 2002 die amerikanische Abgenix Inc. mit der Entwicklung von Antikörpern gegen den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor HER3 beauftragte. Nachdem kurz darauf Abgenix von Amgen geschluckt wurde, stand U3 plötzlich mit dem größten Biotech-Unternehmen der Welt an seiner Seite da. Einerseits eine schöne Validierung, andererseits aber auch eine Einschränkung der unternehmerischen Freiheit. Daiichi stört der Vertrag mit Amgen zum Wirkstoffkandidaten U3-1287 nicht. Das Projekt wird von U3 und Amgen gemeinsam entwickelt. Die Biotech-Firma sicherte sich auch spätere Vermarktungsrechte an dem first-in-class-Projekt. „An dem Vertrag werden wir nichts ändern“, so König. Die Japaner, die selbst schon eine Vermarktungspartnerschaft mit dem US-Biotech-Riesen unterzeichnet haben, setzen auch auf die nachfolgenden Wirkstoffkandidaten. Darunter sind sowohl der humane Antikörper U3-1565 gegen einen EGF-Liganden als auch die Antikörper U3-1800 und U3-1784 gegen Tyrosinkinase-Rezeptoren. Ein zweites Projekt (U3-1565), soll im kommenden Jahr in die Klinik gebracht werden. „Die Finanzkraft von Daiichi Sankyo wird uns helfen, so manches schlafende Projekt wieder zum Leben zu erwecken, das aus Finanzgründen nicht angeschoben wurde“, sagt Staatz-Granzer.
Lonza besetzt lukrative Nische
Amaxa hingegen hatte keine Finanzprobleme – die Firma ist seit langem profitabel. Das Kerngeschäft der Kölner besteht aus dem Vertrieb der unternehmenseigenen Zelltransfektionstechnologie. Ohne virale Genfähren benutzen zu müssen, gelingt es per Elektroporation, DNA- oder RNA-Konstrukte direkt in den Zellkern einzuschleusen. Nach Schätzung der Analysten von Sal. Oppenheim hat Amaxa damit einen Umsatz von mehr als 20 Mio. Euro pro Jahr erwirtschaftet – mit steigenden Wachstumsraten von zuletzt gut 20% pro Jahr. Auch die EBIT-Marge soll den Analysten zufolge die von Lonzas Bioscience-Geschäftsbereich überschritten haben. Hier ist immerhin jeder dritte bis vierte umgesetzte Euro Gewinn. Der Kaufpreis von etwa 90 Mio. Euro repräsentiert damit ungefähr das Vierfache der Jahresumsätze oder den vierzehnfachen Gewinn (EBIT). Nicht verwunderlich, dass hier einem Konzern wie Lonza das Wasser im Munde zusammenläuft. In der Vergangenheit hatte sich das Schweizer Unternehmen rigoros von allen Unternehmungen getrennt, die nicht in den Life Sciences spielten. In diesem Bereich wurde zugekauft. Mit dem Biotech-Geschäft der US-amerikanischen Cambrex Inc. kam schließlich eine Primärzellentwicklung hinzu, die sich gut mit der Kölner Transfektionstechnologie ergänzt. „Lonza geht einen ähnlichen Weg wie Qiagen und ist auf der Suche nach lukrativen Nischen, in denen sich Wachstum erzielen lässt“, analysiert VC-Investor Mathies. Mit der Akquisition verdreifacht Lonza das eigene Zellentwicklungsgeschäft. Nicht verwunderlich ist daher, dass der Kölner Standort von Amaxa als neues Entwicklungszentrum von Lonza erhalten bleibt. Amaxa war am Tag nach der Übernahme für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Für die meisten Mitarbeiter kam die Übernahme überraschend. Sie hatten auch erst mit der Veröffentlichung davon erfahren.
Vom Businessplan zum Millionen-Exit
Amaxa hatte 1998 den Businessplan-Wettbewerb „NUK – Neues Unternehmertum Köln“ gewonnen und wurde seitdem kontinuierlich von Seed-Investor Earlybird sowie der KfW unterstützt. In einer zweiten Finanzierungsrunde kamen die Investoren 3i und die Sparkasse Köln hinzu. Immer wieder hatte das Konsortium auch an einen Börsengang von Amaxa gedacht, um das investierte Geld wieder aus der Firma herauszubekommen. Letztlich ist laut Mathies der aktuelle Trade Sale aber lukrativer gewesen. Es gab wohl mehrere Interessenten.
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