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Staatliche Fonds finanzieren jede zweite Beteiligung
VDI nachrichten, Düsseldorf, 27.04.07, ps –
Für junge Hightech-Firmen bleibt das Geld knapp. Im ersten Quartal des Jahres hielten sich die deutschen Wagnisfinanzierer mit Kapitalzusagen zurück. Ohne das starke Engagement der öffentlichen Hand sähe es noch schlechter aus. So das Ergebnis des Venture Capital Panels.
Verhaltener Start ins neue Jahr: Die im Venture Capital Panel erfassten deutschen Wagnisfinanzierer sind im 1. Quartal 2007 insgesamt 82 Beteiligungen eingegangen und haben dabei 115 Mio. € investiert. Während die Zahl der Beteiligungen leicht anstieg (4. Quartal 2006: 76 Beteiligungen), nahm das investierte Kapital deutlich ab. Im 4. Quartal 2006 hatten die privaten und öffentlichen Beteiligungsgesellschaften noch 154 Mio. € in junge Hightechs gepumpt.
„Ohne das wachsende Engagement öffentlicher Investoren wäre auch die Anzahl der Beteiligungen zurückgegangen“, analysiert Götz Hoyer, der bei der Münchener Beratungsgesellschaft Fleischhauer, Hoyer & Partner das Panel betreut. So schlossen die KfW-Bankengruppe, der Hightech-Gründerfonds, Bayern Kapital und die IBB Beteiligungsgesellschaft im 1.Quartal des Jahres allein 40 Beteiligungen ab. Sie standen damit für etwa die Hälfte aller neuen Investments.
Noch deutlicher zeigte sich diese Tendenz bei den sogenannten A-Runden, bei denen Unternehmen zum ersten Mal mit Wachstumskapital ausgestattet werden: 22 von 30 dieser Unternehmen floss Kapital aus den öffentlichen Fonds zu.
Aktivste unabhängige VC-Gesellschaft war mit acht Beteiligungen und einem investierten Kapital von 15 Mio. € Wellington Partners. Das meiste Kapital nahm TVM Capital mit rund 19 Mio. € in die Hand.
Attraktivster Sektor war wieder einmal die Biotech-Branche. Insgesamt wurden 23 Beteiligungen mit einem Volumen von 39 Mio. € gemeldet, darunter mit der Immatics GmbH das größte Biotech-Investment, das mit privatem Beteiligungskapital seit 2001 in Deutschland abgeschlossen wurde. Das Tübinger Unternehmen erhielt insgesamt 40 Mio. €. Davon kamen jedoch nur 8 Mio. € von vier am Panel teilnehmenden VC-Gesellschaften. Der Rest wurde von einem Privatinvestor aufgebracht (siehe Seite 22). Auf Platz zwei im Branchen-Ranking landete der Softwaresektor. In acht Beteiligungen flossen 10 Mio. €.
Von den Investitionen der VC-Gesellschaften profitierten besonders Unternehmer aus Bayern: 26% aller Investments erfolgten in Start-ups aus dem Freistaat. Auf die Plätze 2 und 3 kamen Baden-Württemberg mit 13% und NRW mit 12% aller Beteiligungen. Jedes vierte Unternehmen, das in den ersten drei Monaten des Jahres deutsches Wagniskapital erhielt, kam aus dem Ausland.
Weiterhin stabil ist die Lage bei den Beteiligungsverkäufen. Insgesamt meldeten die 36 Panelteilnehmer im 1. Quartal 36 Exits. Davon entfielen sieben auf den Verkauf von Beteiligungen an Industrieinvestoren (Trade Sales). In 15 Fällen verkauften die Wagnisfinanzierer ihre Unternehmensanteile über die Börse. Die Anzahl der Abschreibungen ist im Vergleich zum Vorquartal wieder gestiegen. Die Panelteilnehmer erlitten elf Totalausfälle (4. Quartal 2006: sieben Abschreibungen).
Die Einkaufspreise für Venture-Capital-Geber ziehen wieder an. Die durchschnittlichen Unternehmensbewertungen (pre-money valuations) sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Lag die Bewertung für Softwareunternehmen vor einem Jahr noch bei ca. 6 Mio. €, werden heute venturereife Unternehmen schon mit rund 9 Mio. € bewertet (siehe Grafik). Deutlich fällt auch der Anstieg bei Biotech-Unternehmen aus. Hier kletterten die Bewertungen von durchschnittlich 11 Mio. € auf 16 Mio. €.
Über 60 % der befragten VC-Gesellschaften gehen im Übrigen davon aus, dass die Preise weiter steigen werden. „Ursache hiefür dürften die verbesserten Bedingungen für den Verkauf von Beteiligungen sowie die Auflegung neuer Fonds sein“, so Götz Hoyer von FHP. Insbesondere international agierende Fonds sähen deutsche Hightechs gemessen an amerikanischen noch immer als unbewertet an. Hoyer erwartet deshalb, dass sich US-Gesellschaften mit heimischen VC-Firmen zusammentun, um sich verstärkt auf dem deutschen Markt zu engagieren.
PETER SCHWARZ
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Deutsche Wagnisfinanzierer holen auf
Der Crash der New Economy hat den deutschen Risikokapitalgebern jahrelang schwer zugesetzt. Vor allem bei heimischen Großanlegern, wie Banken oder Versicherungen, galten sie lange als Geldvernichter. Doch die Professionalisierung der Branche zeigt Wirkung. Die Zahl der erfolgreichen Exits, also der Veräußerung von Beteiligungen, liegt seit zwei Jahren konstant hoch. Rund 40 % aller Verkäufe erfolgen dabei über die Börse.
Ganz anders die Situation in den USA, dem Mutterland des Venture Capital. Börsengänge von wagnisfinanzierten Firmen sind dort momentan selten. Viele Unternehmen scheuen die Kosten und den administrativen Aufwand, der mit einer Börsennotierung verbunden ist.
Anders als in den USA können deutsche VC-Gesellschaften mit kurzen Haltedauern kalkulieren: Im Schnitt – so das Ergebnis der aktuellen Panelrunde – wollen sie sich innerhalb von fünf bis sechs Jahren von ihren Anteilen wieder trennen.
Den Kapitalbedarf bis zum Exit kalkulieren die Investoren mit rund 14 Mio. € für IT-Unternehmen und 28 Mio. € für Life-Science-Firmen. In den USA muss in entsprechende Unternehmen ein Vielfaches davon investiert werden.
Die guten Marktchancen hierzulande sprechen sich auch bei institutionellen Anlegern herum. Vermögende Privatleute, neudeutsch „Family Offices“, stecken bereits seit Längerem Geld in deutsche VC-Fonds. Neu ist hingegen, dass zunehmend Private-Equity-Dachfonds wieder investieren. Die befragten Wagnisfinanzierer nennen sie nach den Family psOffices als zweitwichtigste Investorengruppe.

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